Bauchschmerzen, Blähungen, mal Durchfall, mal Verstopfung – und trotzdem
zeigen die Untersuchungen nichts Auffälliges.
So oder ähnlich beginnt für viele Menschen der Weg zur Diagnose Reizdarmsyndrom.
Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist nicht gefährlich, kann den Alltag aber stark
einschränken. Dieser Beitrag erklärt, was hinter den Beschwerden steckt, wie die
Diagnose gestellt wird und welche allgemeinen Massnahmen im Alltag guttun können.
Was ist ein Reizdarm?
Das Reizdarmsyndrom gehört zu den sogenannten
funktionellen Darmerkrankungen. Das bedeutet: Der Darm ist in
seiner Funktion gestört, ohne dass sich bei Untersuchungen eine Entzündung,
ein Tumor oder eine andere organische Ursache findet.
Heute spricht die Fachwelt auch von einer Störung der
Darm-Hirn-Achse – also der Kommunikation zwischen Nervensystem
und Verdauungstrakt. Das Reizdarmsyndrom gehört zu den häufigsten Gründen für
einen Arztbesuch wegen Verdauungsbeschwerden.
Typische Symptome
Die Beschwerden sind von Person zu Person sehr unterschiedlich – in Art,
Stärke und Zeitpunkt. Häufig sind:
✓ Bauchschmerzen oder Krämpfe
✓ Blähungen und Völlegefühl
✓ Durchfall
✓ Verstopfung
✓ Wechsel zwischen beidem
Je nach vorherrschendem Stuhlverhalten unterscheiden Fachpersonen mehrere Typen:
Durchfall-Typ
Vorwiegend weicher oder flüssiger Stuhl.
Verstopfungs-Typ
Vorwiegend harter, seltener Stuhl.
Misch-Typ
Durchfall und Verstopfung wechseln sich ab.
Mögliche Ursachen
Eine einzelne Ursache gibt es nicht. Die Forschung geht davon aus, dass mehrere
Faktoren zusammenwirken:
- veränderte Darmbewegungen (Motilität)
- eine erhöhte Empfindlichkeit der Darmnerven
- Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien
- eine vorangegangene Magen-Darm-Infektion
- Stress und psychische Belastung
- bestimmte Lebensmittel oder Essgewohnheiten
Wie diese Faktoren im Einzelnen zusammenhängen, ist noch nicht vollständig
geklärt. Die Beschwerden können dennoch sehr belastend sein – auch wenn
Untersuchungen keine organische Ursache zeigen.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Bei Verdacht auf ein Reizdarmsyndrom werden die Beschwerden ärztlich beurteilt
und andere mögliche Ursachen berücksichtigt. Dazu können beispielsweise
chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Zöliakie, Infektionen oder
Unverträglichkeiten wie Laktose- oder Fruktosemalabsorption gehören.
Je nach Situation können zur Abklärung gehören:
- ein ausführliches Gespräch über Beschwerden und Gewohnheiten
- eine körperliche Untersuchung
- Blut- und Stuhluntersuchungen
- bei Bedarf weitere Untersuchungen wie Ultraschall oder Darmspiegelung
Als Orientierung für die Diagnose dienen unter anderem die internationalen
Rom-IV-Kriterien. Dabei werden wiederkehrende Bauchschmerzen
zusammen mit Veränderungen des Stuhlgangs beziehungsweise der Stuhlhäufigkeit
oder -beschaffenheit berücksichtigt.
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Diese Zeichen sollten Sie ärztlich abklären lassen
Blut im Stuhl, ungewollter Gewichtsverlust, Fieber, nächtliche Beschwerden
oder Blutarmut sollten ärztlich abgeklärt werden. Auch bei neu auftretenden
oder anhaltenden Beschwerden ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
So können andere mögliche Ursachen der Beschwerden berücksichtigt werden.
Was im Alltag guttun kann
Ein Patentrezept gibt es nicht. Viele Betroffene finden aber mit der Zeit heraus,
welche Lebensmittel und Gewohnheiten sie gut vertragen. Die folgenden Ansätze
können eine allgemeine Orientierung bieten – bei ausgeprägten oder anhaltenden
Beschwerden am besten in Absprache mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer
Ernährungsfachperson.
Ernährung beobachten
Ein Ernährungs- und Beschwerdetagebuch kann dabei helfen,
mögliche persönliche Zusammenhänge zu erkennen. Notiert werden können zum
Beispiel Mahlzeiten, Beschwerden und weitere Faktoren des Tages.
Die FODMAP-Methode
FODMAP steht für bestimmte vergärbare Kohlenhydrate. Sie kommen unter anderem
in Zwiebeln, Knoblauch, Hülsenfrüchten, Weizen, bestimmten Früchten und
Milchprodukten vor.
Bei einer Low-FODMAP-Ernährung werden entsprechende Lebensmittel zunächst
zeitlich begrenzt reduziert. Anschliessend werden einzelne Lebensmittelgruppen
schrittweise wieder eingeführt, um die individuelle Verträglichkeit zu
beurteilen. Da die Auswahl der Lebensmittel dabei deutlich eingeschränkt
werden kann, sollte die Methode möglichst von einer qualifizierten
Ernährungsfachperson begleitet werden.
Ballaststoffe individuell auswählen
Auch die Verträglichkeit von Ballaststoffen kann individuell unterschiedlich
sein. Lösliche Ballaststoffe kommen beispielsweise in Hafer und Flohsamenschalen
vor. Bei einer Erhöhung der Ballaststoffzufuhr empfiehlt es sich, schrittweise
vorzugehen und ausreichend zu trinken.
Kleine Gewohnheiten für den Alltag
✓ Mahlzeiten in Ruhe einnehmen und gut kauen
✓ Auf die individuell verträgliche Portionsgrösse achten
✓ Regelmässig trinken, zum Beispiel Wasser oder ungesüsste Kräutertees
✓ Persönlich gut verträgliche Lebensmittel bevorzugen
✓ Regelmässige Bewegung in den Alltag integrieren
✓ Bewusste Pausen und Erholungsphasen einplanen
Stress und die Darm-Hirn-Achse
Darm und Nervensystem stehen miteinander in Verbindung. Stress und psychische
Belastungen können daher bei manchen Menschen mit Veränderungen der
Verdauungsbeschwerden einhergehen. Entspannungsverfahren, Atemübungen und
andere Strategien zum Umgang mit Stress können ergänzende Bestandteile eines
individuellen Umgangs mit den Beschwerden sein.
Fazit
Das Reizdarmsyndrom kann den Alltag und die Lebensqualität deutlich
beeinträchtigen. Da ähnliche Beschwerden unterschiedliche Ursachen haben
können, ist eine sorgfältige ärztliche Abklärung wichtig.
Ernährung, Bewegung, Erholung und das Beobachten persönlicher Auslöser
können dabei helfen, den eigenen Alltag bewusster auf die individuelle
Verträglichkeit auszurichten.
Häufige Fragen zum Reizdarm
Ist ein Reizdarm gefährlich?
Das Reizdarmsyndrom verursacht nach heutigem Wissen keine strukturelle
Schädigung des Darms. Die Beschwerden können die Lebensqualität jedoch
erheblich beeinträchtigen. Da ähnliche Symptome auch andere Ursachen haben
können, sollten anhaltende Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Wie merke ich, ob ich einen Reizdarm habe?
Wiederkehrende Bauchschmerzen zusammen mit Veränderungen des Stuhlgangs
können zu einem Reizdarmsyndrom passen. Solche Beschwerden können jedoch
unterschiedliche Ursachen haben. Die Diagnose sollte deshalb ärztlich
gestellt werden.
Was ist die FODMAP-Diät?
Die Low-FODMAP-Ernährung ist ein zeitlich begrenztes Ernährungskonzept, bei
dem bestimmte vergärbare Kohlenhydrate zunächst reduziert und anschliessend
schrittweise wieder eingeführt werden. Ziel ist es, die individuelle
Verträglichkeit verschiedener Lebensmittel zu beurteilen. Eine fachliche
Begleitung ist empfehlenswert.
Kann Stress Reizdarmbeschwerden beeinflussen?
Stress gilt nicht als alleinige Ursache des Reizdarmsyndroms. Über die
Darm-Hirn-Achse können Stress und psychische Belastungen jedoch mit
Veränderungen der Verdauungsbeschwerden zusammenhängen.
Wann sollte ich zur Ärztin oder zum Arzt?
Neu auftretende, anhaltende oder ausgeprägte Verdauungsbeschwerden sollten
ärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere bei Warnzeichen wie Blut im
Stuhl, ungewolltem Gewichtsverlust, Fieber oder nächtlichen Beschwerden.
Hinweis:
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche
Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei Beschwerden wenden Sie sich bitte an
Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Die Inhalte beziehen sich nicht auf Produkte von HAWLIK.