Die faszinierende Welt der Pilze – ein kleiner Pilzratgeber

Die faszinierende Welt der Pilze – ein kleiner Pilzratgeber

Inhaltsverzeichnis

    Pilze begegnen uns überall – im Wald, in der Küche und manchmal sogar dort, wo wir sie gar nicht vermuten. Trotzdem wird ihre Vielfalt häufig unterschätzt. Pilze sind weder Pflanzen noch Tiere, sondern bilden ein eigenes Reich mit einer faszinierenden Vielfalt an Formen und Lebensweisen.

    Was wir als «Pilz» wahrnehmen, ist dabei häufig nur ein kleiner sichtbarer Teil des eigentlichen Organismus. Unter der Erde, im Holz oder in anderem organischem Material kann sich ein weit verzweigtes Geflecht aus Pilzfäden verbergen.

    Zeit also, die Welt der Pilze etwas genauer anzuschauen.

    Pilze – weder Pflanze noch Tier

    Früher wurden Pilze den Pflanzen zugeordnet. Heute bilden sie in der biologischen Systematik ein eigenes Reich. Anders als Pflanzen betreiben Pilze keine Photosynthese. Sie nehmen Nährstoffe aus ihrer Umgebung auf und spielen dadurch eine wichtige Rolle in zahlreichen Ökosystemen.

    Viele Pilze zersetzen abgestorbenes organisches Material und führen die darin enthaltenen Nährstoffe wieder dem natürlichen Kreislauf zu. Andere leben eng mit Pflanzen zusammen oder nutzen lebende Organismen als Nahrungsquelle.

    Was wir sehen – und was verborgen bleibt

    Bei einem Waldspaziergang sehen wir meist den Fruchtkörper. Er dient bei vielen Pilzarten der Bildung und Verbreitung von Sporen. Ein grosser Teil des eigentlichen Pilzorganismus bleibt dagegen verborgen.

    Fruchtkörper Der sichtbare Teil vieler Pilze, der unter anderem der Bildung und Verbreitung von Sporen dient.
    Hyphen Feine, fadenförmige Strukturen, aus denen der Pilzorganismus aufgebaut sein kann.
    Myzel Das verzweigte Geflecht vieler Hyphen, das sich beispielsweise im Boden oder Holz ausbreitet.

    Mykorrhiza – wenn Pilz und Pflanze zusammenarbeiten

    Eine besonders faszinierende Form des Zusammenlebens ist die Mykorrhiza. Dabei gehen bestimmte Pilze eine enge Verbindung mit den Wurzeln von Pflanzen ein.

    Die feinen Pilzhyphen reichen in Bereiche des Bodens, die Pflanzenwurzeln allein teilweise nur schwer erschliessen können. Sie unterstützen die Pflanze bei der Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen. Im Gegenzug erhält der Pilz von der Pflanze kohlenstoffreiche Verbindungen, die durch Photosynthese entstanden sind.

    Mykorrhizapilze können mit ihren Hyphen weit verzweigte Netzwerke im Boden bilden. Teilweise können dadurch mehrere Pflanzen mit Pilznetzwerken verbunden sein. Wie Stoffe und Signale innerhalb solcher Netzwerke ausgetauscht werden und welche ökologische Bedeutung dies im Einzelnen hat, ist Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.

    Schon gewusst?

    Pilzorganismen können erstaunliche Dimensionen erreichen. Ein bekanntes Exemplar von Armillaria ostoyae im Malheur National Forest im US-Bundesstaat Oregon erstreckt sich über rund 965 Hektar. Es gilt nach Schätzungen der Biomasse als einer der grössten bekannten lebenden Organismen der Erde.

    Die drei Lebensweisen der Pilze

    Pilze verfolgen unterschiedliche Lebensstrategien. Manche leben in enger Gemeinschaft mit Pflanzen, andere bauen abgestorbenes organisches Material ab und wieder andere nutzen lebende Organismen als Wirte. Die Übergänge können dabei fliessend sein.

    Symbiosepartner Gemeinsam mit Pflanzen

    Mykorrhizapilze leben in enger Gemeinschaft mit Pflanzen. Die Pilzhyphen erweitern den Bereich, aus dem Wasser und Mineralstoffe aufgenommen werden können. Im Gegenzug erhält der Pilz von der Pflanze kohlenstoffreiche Verbindungen.

    ✓ Verbindung mit Pflanzenwurzeln ✓ Austausch von Ressourcen ✓ Bedeutend für viele Waldökosysteme
    Pilzbeispiele ansehen
    Steinpilz – Boletus edulis Steinpilz Boletus edulis
    Speisepilz: Ja
    Schwarzer Trüffel – Tuber melanosporum Trüffel Tuber melanosporum
    Speisepilz: Ja
    Fliegenpilz – Amanita muscaria Fliegenpilz Amanita muscaria
    Speisepilz: Nein
    Zersetzer Die Recycler der Natur

    Saprotrophe Pilze nutzen abgestorbenes organisches Material wie Holz, Laub oder andere Pflanzenreste. Beim Abbau dieses Materials werden Nährstoffe wieder in natürliche Kreisläufe zurückgeführt.

    ✓ Abbau organischen Materials ✓ Teil des natürlichen Nährstoffkreislaufs ✓ Darunter zahlreiche bekannte Speisepilze
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    Shiitake – Lentinula edodes Shiitake Lentinula edodes
    Speisepilz: Ja
    Champignon – Agaricus bisporus Champignon Agaricus bisporus
    Speisepilz: Ja
    Hericium – Hericium erinaceus Hericium Hericium erinaceus
    Speisepilz: Ja
    Pleurotus – Pleurotus ostreatus Pleurotus Pleurotus ostreatus
    Speisepilz: Ja
    Enoki – Flammulina filiformis Enoki Flammulina filiformis
    Speisepilz: Ja
    Auricularia – Auricularia auricula-judae Auricularia Auricularia auricula-judae
    Speisepilz: Ja
    Agaricus Agaricus Agaricus sp.
    Speisepilz: je nach Art
    Coprinus Coprinus Coprinus sp.
    Speisepilz: je nach Art
    Parasiten Leben auf oder in einem Wirt

    Parasitische Pilze nutzen lebende Organismen als Nahrungsquelle. Dabei können beispielsweise Bäume, Pflanzen, Insekten oder andere Organismen als Wirte dienen.

    ✓ Nutzung eines lebenden Wirtes ✓ Sehr unterschiedliche Wirtsorganismen ✓ Teil natürlicher Ökosysteme
    Pilzbeispiele ansehen
    Chaga – Inonotus obliquus Chaga Inonotus obliquus
    Speisepilz: kein klassischer Speisepilz
    Cordyceps Cordyceps Cordyceps / verwandte Gattungen
    Speisepilz: kein klassischer Speisepilz
    Maitake – Grifola frondosa Maitake Grifola frondosa
    Speisepilz: Ja
    Polyporus Polyporus Polyporus sp.
    Speisepilz: je nach Art
    Mehrere Lebensweisen Nicht immer eindeutig

    Die Einteilung in Symbiosepartner, Zersetzer und Parasiten ist eine Vereinfachung. Einige Pilze können je nach Art, Wirt und Lebensphase unterschiedliche Strategien zeigen. So können sie beispielsweise zunächst lebendes Holz besiedeln und später auch abgestorbenes Holz weiter abbauen.

    Pilzbeispiel ansehen
    Reishi – Ganoderma lucidum Reishi Ganoderma lucidum
    Speisepilz: kein klassischer Speisepilz
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    Gut zu wissen

    Biologische Lebensweisen lassen sich nicht immer in starre Kategorien einteilen. Einige holzbewohnende Pilze können an lebenden Bäumen vorkommen und später auch abgestorbenes Holz weiter abbauen.

    Hinweis: Die Angaben zum Speisepilz dienen der allgemeinen Einordnung und sind keine Anleitung zum Sammeln oder Verzehr wild wachsender Pilze. Wildpilze sollten nur verzehrt werden, wenn sie zweifelsfrei fachkundig bestimmt wurden.

    Vom Pilz zum Pulver und Extrakt

    Neben ihrer Verwendung als Lebensmittel werden bestimmte Pilzarten auch zu Pulvern oder Extrakten verarbeitet.

    Bei Pilzpulver wird das verwendete Pilzmaterial getrocknet und fein vermahlen. Bei einem Pilzextrakt werden ausgewählte Bestandteile mithilfe eines Extraktionsverfahrens aus dem Ausgangsmaterial herausgelöst. Anschliessend kann der gewonnene Extrakt weiterverarbeitet und getrocknet werden.

    Pulver und Extrakt sind deshalb nicht dasselbe. Welche Ausgangsmaterialien und Herstellungsverfahren verwendet werden, kann sich je nach Produkt unterscheiden.

    Pilze in neuen Rollen

    Pilze begegnen uns längst nicht nur im Wald. Speisepilze gehören zur menschlichen Ernährung, Hefen werden beispielsweise zur Herstellung von Brot und fermentierten Getränken genutzt und bestimmte Schimmelpilze spielen bei der Herstellung verschiedener Lebensmittel eine Rolle.

    Auch in Forschung und Biotechnologie sind Pilze von grosser Bedeutung. Ein bekanntes historisches Beispiel ist Penicillin: Alexander Fleming beobachtete 1928 die antibakterielle Wirkung eines Schimmelpilzes. Pilze und ihre Stoffwechselprodukte werden bis heute wissenschaftlich untersucht und industriell genutzt.

    Auch Materialien auf Myzelbasis werden erforscht und entwickelt. Dabei kann Pilzmyzel beispielsweise auf pflanzlichen Reststoffen wachsen und diese zu neuen Strukturen verbinden. Daraus ergeben sich Ansätze für Verpackungs-, Dämm- und weitere Werkstoffe.

    Eine faszinierende Welt unter unseren Füssen

    Pilze sind weit mehr als die Fruchtkörper, die wir im Wald oder im Supermarkt sehen. Als Zersetzer, Symbiosepartner und Bestandteil komplexer Ökosysteme übernehmen sie zahlreiche Aufgaben.

    Viele ihrer Strukturen und Prozesse bleiben für uns unsichtbar – verborgen im Boden, im Holz oder in anderen Organismen. Gerade diese Vielfalt macht das Reich der Pilze zu einem faszinierenden Forschungsgebiet.

    Und wahrscheinlich kennen wir von dieser verborgenen Welt noch längst nicht alles.


    Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Begriffserklärung. Angaben zu Pilzarten, traditionellen Bezeichnungen oder Verwendungsformen stellen keine Aussagen zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten dar. Für konkrete Produkte gelten die jeweiligen Produktinformationen und gesetzlichen Vorgaben.

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