Morgens kaum in die Gänge kommen, tagsüber müde und unkonzentriert sein – und beim schnellen Aufstehen wird plötzlich alles schwarz vor Augen.
Wer eher niedrige Blutdruckwerte hat, kennt möglicherweise mehrere dieser Beschwerden. Tatsächlich können Müdigkeit, Schwäche und Schwindel gemeinsam mit niedrigem Blutdruck auftreten.
Doch ist der niedrige Blutdruck wirklich der Grund für die Müdigkeit? Warum wird einem beim Aufstehen schwindlig – und wann sollte man genauer hinschauen? Entscheidend ist nicht nur die Zahl auf dem Blutdruckmessgerät, sondern das gesamte Beschwerdebild.
Niedriger Blutdruck: Eine Zahl allein sagt noch wenig
Der Blutdruck wird mit zwei Werten angegeben. Der obere, systolische Wert beschreibt den Druck während der Auswurfphase des Herzens. Der untere, diastolische Wert bezieht sich auf die Entspannungs- und Füllungsphase zwischen den Herzschlägen.
Als niedriger Blutdruck – medizinisch Hypotonie – werden häufig Werte unter etwa 90/60 mmHg bezeichnet. Eine einzelne Zahl entscheidet jedoch nicht darüber, ob ein gesundheitliches Problem besteht. Manche Menschen haben von Natur aus niedrige Werte und fühlen sich dabei vollkommen wohl.
Relevant wird niedriger Blutdruck vor allem dann, wenn gleichzeitig Beschwerden wie Schwindel, Schwäche, Benommenheit oder Ohnmachtsgefühle auftreten, die Werte plötzlich deutlich niedriger sind als gewohnt oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Kann niedriger Blutdruck müde machen?
Ja, Müdigkeit und ein Gefühl von Schwäche können zusammen mit niedrigem Blutdruck auftreten. Manche Betroffene fühlen sich wenig leistungsfähig, kommen morgens schwer in Gang oder haben Mühe, sich zu konzentrieren. Gleichzeitig können Schwindel, Benommenheit oder ein unsicheres Gefühl beim Aufstehen auftreten.
Der Zusammenhang ist allerdings nicht so einfach, dass ein niedriger Messwert automatisch Müdigkeit verursacht. Blutdruck und Kreislaufregulation sind nur mögliche Faktoren – und Menschen mit ähnlich niedrigen Blutdruckwerten können sich völlig unterschiedlich fühlen.
Müde und niedriger Blutdruck? Nicht vorschnell einen Zusammenhang annehmen
Müdigkeit ist ein sehr unspezifisches Symptom. Schlafmangel, Stress, Infekte, Blutarmut beziehungsweise Eisenmangel, Schilddrüsenerkrankungen, Medikamente und zahlreiche weitere Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen. Anhaltende oder ungewöhnlich starke Müdigkeit sollte deshalb nicht allein mit einem niedrigen Blutdruck erklärt werden.
Warum wird uns beim Aufstehen manchmal schwarz vor Augen?
Besonders deutlich zeigt sich eine gestörte Kreislaufregulation manchmal beim Aufstehen. Beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen ins Stehen verlagert sich durch die Schwerkraft vorübergehend Blut in Richtung Beine und Bauchraum.
Normalerweise reagiert der Körper innerhalb kürzester Zeit: Die Blutgefässe verengen sich und Herz sowie Kreislauf passen sich an, damit der Blutdruck stabilisiert und das Gehirn weiterhin ausreichend mit Blut versorgt wird.
Funktioniert diese Anpassung nicht schnell genug, kann der Blutdruck beim Aufstehen deutlich absinken. Mögliche Folgen sind Schwindel, Benommenheit, verschwommenes oder dunkler werdendes Sehen, Schwäche – manchmal auch eine Ohnmacht.
Was bedeutet orthostatische Hypotonie?
Von einer klassischen orthostatischen Hypotonie spricht man, wenn der systolische Blutdruck innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen um mindestens 20 mmHg oder der diastolische Blutdruck um mindestens 10 mmHg abfällt. Entscheidend ist hier also die Veränderung beim Lagewechsel – nicht nur ein grundsätzlich niedriger Ausgangswert.
Warum Müdigkeit und Kreislaufbeschwerden manchmal gemeinsam auftreten
Wer unter Kreislaufbeschwerden leidet, beschreibt häufig nicht nur einen kurzen Schwindelmoment. Auch Schwäche, Benommenheit und eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit können zum Beschwerdebild gehören.
Auffallen können solche Beschwerden beispielsweise morgens nach dem Aufstehen, bei längerem Stehen, bei Hitze oder wenn zu wenig getrunken wurde. Wärme erweitert die Blutgefässe, während Flüssigkeitsmangel das zirkulierende Blutvolumen verringern kann. Beides kann Kreislaufbeschwerden begünstigen.
Deshalb lohnt es sich, bei wiederkehrender Müdigkeit genauer hinzuschauen: Tritt sie gemeinsam mit Schwindel, Benommenheit oder Beschwerden beim Aufstehen auf? Oder besteht die Erschöpfung unabhängig davon den ganzen Tag? Solche Beobachtungen können bei einer medizinischen Abklärung hilfreich sein.
Niedriger Blutdruck kann unterschiedliche Ursachen haben
Manche Menschen haben dauerhaft eher niedrige Blutdruckwerte, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Ein niedriger Blutdruck kann aber auch vorübergehend oder als Folge anderer Faktoren auftreten.
Flüssigkeitsmangel
Zu wenig Flüssigkeit oder grössere Flüssigkeitsverluste – beispielsweise durch starkes Schwitzen, Erbrechen oder Durchfall – können den Blutdruck absinken lassen und gleichzeitig Schwäche verursachen.
Medikamente
Verschiedene Medikamente können den Blutdruck beeinflussen. Dazu gehören unter anderem bestimmte Blutdruckmittel und entwässernde Medikamente.
Erkrankungen
Unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hormonelle beziehungsweise Stoffwechselerkrankungen oder Störungen des autonomen Nervensystems können mit niedrigem Blutdruck verbunden sein.
Auch Blutverlust und bestimmte akute Erkrankungen können zu einem Blutdruckabfall führen. Ein plötzlich auftretender niedriger Blutdruck ist deshalb anders zu beurteilen als dauerhaft niedrige Werte bei einem Menschen, der sich ansonsten wohlfühlt.
Was im Alltag helfen kann
Wer vor allem morgens oder beim Aufstehen Beschwerden hat, kann seinem Kreislauf etwas mehr Zeit geben: zunächst vom Liegen ins Sitzen wechseln, einen Moment auf der Bettkante bleiben und erst dann langsam aufstehen.
Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist ebenfalls wichtig, sofern medizinisch nichts dagegenspricht. Besonders bei warmem Wetter oder stärkerem Schwitzen sollte darauf geachtet werden. Regelmässige körperliche Aktivität unterstützt darüber hinaus allgemein das Herz-Kreislauf-System.
Wenn sich beim längeren Stehen Schwindel oder Schwäche ankündigen, können bestimmte Muskelmanöver den Kreislauf vorübergehend unterstützen. Dazu gehören beispielsweise das kräftige Anspannen der Bein- und Gesässmuskulatur oder das Überkreuzen und Anspannen der Beine.
Kreislaufbewusst durch den Alltag
- morgens und nach längerem Sitzen langsam aufstehen
- auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
- langes unbewegtes Stehen möglichst vermeiden
- regelmässige Bewegung in den Alltag integrieren
- bei ersten Beschwerden Bein- und Gesässmuskulatur anspannen
- bei Hitze besonders auf Flüssigkeit und Kreislaufbeschwerden achten
- Medikamente niemals eigenständig verändern oder absetzen
Kaffee, Salz & Co.: Was stimmt wirklich?
Gerade wenn man sich müde und kreislaufschwach fühlt, liegt der Griff zu Kaffee oder besonders salzigen Lebensmitteln nahe. Doch die bekannten Kreislauftipps sind nicht für jeden Menschen gleichermassen geeignet.
«Niedriger Blutdruck ist immer der Grund für Müdigkeit.»
Nein. Müdigkeit und Schwäche können gemeinsam mit niedrigem Blutdruck auftreten, haben aber zahlreiche mögliche Ursachen. Besonders bei länger anhaltender oder ausgeprägter Müdigkeit sollte deshalb nicht allein der Blutdruck verantwortlich gemacht werden.
«Niedriger Blutdruck ist immer harmlos.»
Dauerhaft niedrige Werte ohne Beschwerden sind häufig unproblematisch. Ein plötzlich auftretender Blutdruckabfall, wiederholte Ohnmachten oder niedriger Blutdruck zusammen mit anderen Beschwerden können dagegen auf eine behandlungsbedürftige Ursache hinweisen.
«Bei niedrigem Blutdruck sollte man einfach mehr Salz essen.»
So pauschal ist das nicht empfehlenswert. Eine höhere Salzzufuhr kann den Blutdruck beeinflussen, ist aber nicht für alle Menschen geeignet – beispielsweise bei bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen oder gleichzeitig bestehendem Bluthochdruck. Eine gezielte Erhöhung sollte deshalb medizinisch abgesprochen werden.
«Kaffee vertreibt Müdigkeit und löst das Kreislaufproblem.»
Koffein kann vorübergehend wacher machen und auch den Blutdruck beeinflussen. Damit ist jedoch weder die Ursache einer anhaltenden Müdigkeit noch die Ursache wiederkehrender Kreislaufbeschwerden geklärt.
Müde trotz ausreichend Schlaf? Dann lohnt sich ein genauerer Blick
Wer sich über längere Zeit ungewöhnlich müde oder erschöpft fühlt, sollte nicht automatisch von einem «schwachen Kreislauf» ausgehen. Besonders dann, wenn die Müdigkeit auch nach ausreichend Schlaf bestehen bleibt, zunehmend stärker wird oder die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt, können andere Ursachen eine Rolle spielen.
Bei der medizinischen Abklärung können je nach Situation neben Blutdruck und Puls beispielsweise Schlaf, Medikamente, Ernährung und weitere Beschwerden berücksichtigt werden. Ob Laboruntersuchungen sinnvoll sind, entscheidet sich anhand des individuellen Beschwerdebildes.
Hilfreich kann es sein, einige Tage zu beobachten, wann Müdigkeit und Kreislaufbeschwerden auftreten: direkt nach dem Aufstehen, bei Hitze, nach längerem Stehen, nach Mahlzeiten oder unabhängig von solchen Situationen. Diese Informationen können helfen, die Beschwerden besser einzuordnen.
Wann sollte niedriger Blutdruck abgeklärt werden?
Wiederkehrender Schwindel, Ohnmachtsgefühle oder tatsächliche Bewusstlosigkeit sollten nicht allein mit einem «schwachen Kreislauf» erklärt werden. Auch eine anhaltende ausgeprägte Müdigkeit verdient eine Abklärung, insbesondere wenn sie neu auftritt oder von weiteren Beschwerden begleitet wird.
Bei der Untersuchung können unter anderem Blutdruck und Puls im Liegen und Stehen, eingenommene Medikamente sowie mögliche zugrunde liegende Erkrankungen berücksichtigt werden.
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Akute Warnzeichen ernst nehmen
Bewusstlosigkeit, Brustschmerzen, ausgeprägte Atemnot oder schwere beziehungsweise plötzlich auftretende Beschwerden zusammen mit einem deutlichen Blutdruckabfall erfordern eine rasche medizinische Beurteilung. In einer akuten Notfallsituation gilt in der Schweiz die Notrufnummer 144.
Fazit
Niedriger Blutdruck kann sich nicht nur durch Schwindel beim Aufstehen bemerkbar machen. Auch Müdigkeit, Schwäche, Benommenheit und Konzentrationsprobleme können gemeinsam mit Kreislaufbeschwerden auftreten.
Ein niedriger Blutdruckwert erklärt Müdigkeit jedoch nicht automatisch. Wer sich dauerhaft ungewöhnlich müde fühlt oder wiederholt unter Schwindel, Ohnmachtsgefühlen oder anderen Beschwerden leidet, sollte deshalb genauer nach der Ursache suchen und diese bei Bedarf medizinisch abklären lassen.
Häufige Fragen zu niedrigem Blutdruck und Müdigkeit
Kann niedriger Blutdruck müde machen?
Niedriger Blutdruck kann mit Müdigkeit, Schwäche und Konzentrationsproblemen einhergehen, insbesondere wenn gleichzeitig Schwindel oder Beschwerden beim Aufstehen auftreten. Müdigkeit hat jedoch viele mögliche Ursachen und sollte bei längerem Bestehen nicht automatisch auf den Blutdruck zurückgeführt werden.
Ab wann ist der Blutdruck zu niedrig?
Häufig werden Werte unter etwa 90/60 mmHg als niedriger Blutdruck bezeichnet. Entscheidend ist jedoch nicht nur der Messwert, sondern auch, ob Beschwerden auftreten und welche Ursache dahintersteckt.
Warum bin ich morgens müde und mir wird beim Aufstehen schwindlig?
Beim Aufstehen muss sich der Kreislauf rasch an die aufrechte Körperposition anpassen. Fällt der Blutdruck dabei deutlich ab, können Schwindel, Schwäche oder dunkler werdendes Sehen auftreten. Morgendliche Müdigkeit kann gleichzeitig bestehen, hat aber auch zahlreiche andere mögliche Ursachen.
Was ist eine orthostatische Hypotonie?
Dabei fällt der Blutdruck beim Wechsel in die aufrechte Körperposition deutlich ab. Als klassische orthostatische Hypotonie gilt ein Abfall um mindestens 20 mmHg systolisch oder 10 mmHg diastolisch innerhalb von drei Minuten nach dem Aufstehen.
Hilft Kaffee gegen niedrigen Blutdruck und Müdigkeit?
Koffein kann vorübergehend wacher machen und den Blutdruck beeinflussen. Bei anhaltender Müdigkeit oder wiederkehrenden Kreislaufbeschwerden ersetzt Kaffee jedoch keine Abklärung der möglichen Ursache.
Sollte ich bei niedrigem Blutdruck mehr Salz essen?
Nicht ohne Weiteres. Eine höhere Salzzufuhr kann den Blutdruck beeinflussen, ist aber nicht für jeden Menschen geeignet. Eine gezielte Erhöhung sollte deshalb mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden.
Wann sollte Müdigkeit medizinisch abgeklärt werden?
Wenn Müdigkeit länger anhält, ungewöhnlich ausgeprägt ist, die Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt oder zusammen mit wiederkehrendem Schwindel, Ohnmacht oder anderen neuen Beschwerden auftritt, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Hinweis:
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose, Beratung oder Behandlung. Niedriger Blutdruck und Müdigkeit können unterschiedliche Ursachen haben. Bei anhaltenden, ausgeprägten oder neu auftretenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine medizinische Fachperson. Die Inhalte beziehen sich nicht auf Produkte von HAWLIK.