Morbus Crohn & Colitis ulcerosa: Wenn der Darm chronisch entzündet ist

Morbus Crohn & Colitis ulcerosa: Wenn der Darm chronisch entzündet ist

Inhaltsverzeichnis

    Bauchschmerzen, Durchfall und Erschöpfung – bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa steckt dahinter mehr als ein empfindlicher Darm. Beide gehören zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, kurz CED. Die Entzündung kann über Jahre immer wieder aufflammen und nicht nur den Darm, sondern teilweise auch andere Bereiche des Körpers betreffen. 

    Doch Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind nicht dasselbe. Wo die Entzündung auftritt, wie sie sich ausbreitet und welche Beschwerden entstehen, kann sich deutlich unterscheiden. Ein Überblick über zwei Erkrankungen, die viele Gemeinsamkeiten haben – und dennoch unterschiedlich verlaufen können.

    Was bedeutet eigentlich CED?

    CED steht für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Zu den bekanntesten Formen gehören Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

    Beide Erkrankungen sind durch eine anhaltende beziehungsweise wiederkehrende Entzündung des Verdauungstrakts gekennzeichnet. Häufig wechseln sich aktive Krankheitsphasen mit ruhigeren Phasen ab. Eine aktive Phase wird oft als Schub bezeichnet, eine Phase mit deutlich zurückgegangener Krankheitsaktivität als Remission.

    Anders als beim Reizdarmsyndrom lassen sich bei CED entzündliche Veränderungen beziehungsweise Entzündungsaktivität mit medizinischen Untersuchungen nachweisen. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind nicht ansteckend.

    Beschwerden wie Bauchschmerzen und Veränderungen des Stuhlgangs können allerdings viele Ursachen haben. Mehr über eine funktionelle Darmerkrankung erfahren Sie in unserem Beitrag zum Reizdarmsyndrom.

    Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa – wo liegt der Unterschied?

    Die beiden Erkrankungen können ähnliche Beschwerden verursachen. Ein wichtiger Unterschied liegt jedoch darin, wo und wie sich die Entzündung im Verdauungstrakt ausbreitet.

    Morbus Crohn

    Kann grundsätzlich jeden Abschnitt des Verdauungstrakts vom Mund bis zum After betreffen. Besonders häufig ist der Übergang vom Dünn- zum Dickdarm betroffen.

    Entzündete und nicht entzündete Darmabschnitte können sich abwechseln. Die Entzündung kann zudem tiefere beziehungsweise alle Schichten der Darmwand erfassen.

    Colitis ulcerosa

    Betrifft den Dickdarm. Die Entzündung beginnt typischerweise im Enddarm und kann sich von dort zusammenhängend über weitere Abschnitte des Dickdarms ausbreiten.

    Betroffen ist vor allem die innere Schleimhaut des Dickdarms, in der Entzündungen und Geschwüre entstehen können.

    Wenn der Darm dauerhaft Alarm schlägt

    Welche Beschwerden auftreten, hängt unter anderem davon ab, welche Darmabschnitte betroffen sind, wie ausgeprägt die Entzündung ist und ob Komplikationen vorliegen.

    Zu möglichen Beschwerden gehören anhaltender oder wiederkehrender Durchfall, Bauchschmerzen und Krämpfe, Blut oder Schleim im Stuhl, Müdigkeit, Gewichtsverlust und während aktiver Krankheitsphasen teilweise auch Fieber.

    Bei Colitis ulcerosa sind insbesondere blutige Durchfälle und ein ausgeprägter Stuhldrang typisch. Bei Morbus Crohn können – abhängig von der Lokalisation – neben Durchfall und Bauchschmerzen beispielsweise auch Gewichtsverlust oder Beschwerden im Analbereich auftreten.

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    Beschwerden medizinisch abklären lassen

    Anhaltender Durchfall, Blut im Stuhl, wiederkehrende oder starke Bauchschmerzen, Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust sollten medizinisch abgeklärt werden. Bei starken akuten Beschwerden, ausgeprägten Blutungen oder einer deutlichen Verschlechterung des Allgemeinzustands ist eine rasche medizinische Beurteilung wichtig.

    CED können mehr als den Darm betreffen

    Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind zwar Darmerkrankungen, entzündliche Veränderungen können jedoch auch ausserhalb des Verdauungstrakts auftreten. Betroffen sein können beispielsweise Gelenke, Haut oder Augen. Auch Erkrankungen der Leber und Gallenwege können im Zusammenhang mit CED vorkommen.

    Zusätzlich können Blutverlust, Entzündung, eine eingeschränkte Nahrungsaufnahme oder – insbesondere bei Morbus Crohn – eine beeinträchtigte Nährstoffaufnahme zu einem erhöhten Risiko für Mangelernährung und bestimmte Nährstoffdefizite beitragen.

    Deshalb gehört die Beurteilung des Ernährungszustands heute ebenfalls zur Betreuung von Menschen mit CED.

    Warum entstehen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

    Eine einzelne Ursache für CED ist nicht bekannt. Nach heutigem Forschungsstand entsteht die Erkrankung durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

    Dazu gehören die genetische Veranlagung, Veränderungen der Immunreaktion und das Zusammenspiel zwischen Darmbarriere, Darmmikrobiom und Umweltfaktoren. Wie diese Faktoren im Einzelnen zusammenwirken, wird weiterhin intensiv erforscht.

    Rauchen wirkt bei CED nicht bei allen Formen gleich

    Besonders beim Morbus Crohn ist Rauchen mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf verbunden. Ein Rauchstopp gehört deshalb zu den wichtigen Empfehlungen für Menschen mit Morbus Crohn.

    Wie wird eine CED festgestellt?

    Für die Diagnose gibt es nicht den einen Test. Ärztinnen und Ärzte setzen verschiedene Informationen zusammen: Beschwerden und Krankengeschichte, körperliche Untersuchung sowie Labor-, Stuhl-, endoskopische und bildgebende Untersuchungen.

    Blutuntersuchungen können beispielsweise Hinweise auf Entzündung oder Blutarmut liefern. Stuhluntersuchungen helfen unter anderem dabei, Entzündungsaktivität einzuschätzen und bestimmte andere Ursachen der Beschwerden auszuschliessen.

    Eine wichtige Rolle spielt die Darmspiegelung. Dabei kann die Darmschleimhaut direkt beurteilt werden und es können kleine Gewebeproben – sogenannte Biopsien – entnommen werden. Je nach Fragestellung kommen zusätzlich bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie zum Einsatz.

    Auch nach der Diagnose wird die Krankheitsaktivität regelmässig kontrolliert. Dabei werden zunehmend nicht-invasive Verfahren wie Entzündungsmarker im Blut oder Stuhl und der Darmultraschall eingesetzt.

    Was ist das Ziel der Behandlung?

    Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische Erkrankungen. Ziel der Behandlung ist es, die Entzündung zu kontrollieren, Beschwerden zu reduzieren, Komplikationen möglichst zu verhindern und eine möglichst langfristige Remission zu erreichen.

    Welche Therapie eingesetzt wird, hängt unter anderem von der Erkrankung, ihrer Ausdehnung und Aktivität, möglichen Komplikationen und der bisherigen Behandlung ab. Zur Verfügung stehen verschiedene entzündungshemmende und immunmodulierende Medikamente sowie moderne zielgerichtete Therapien. In bestimmten Situationen können auch operative Eingriffe notwendig sein.

    Die Behandlung wird individuell durch das gastroenterologische Behandlungsteam festgelegt. Medikamente sollten nicht eigenständig abgesetzt oder verändert werden – auch dann nicht, wenn die Beschwerden vorübergehend verschwunden sind.

    Gibt es die richtige Ernährung bei CED?

    Eine allgemeingültige «Morbus-Crohn-Diät» oder «Colitis-Diät» gibt es nicht. Welche Ernährung geeignet ist, hängt unter anderem von der Erkrankung, der Krankheitsaktivität, möglichen Engstellen oder Operationen, dem Ernährungszustand und der individuellen Verträglichkeit ab.

    Ohne besondere medizinische Gründe sollte die Ernährung nicht unnötig eingeschränkt werden. Sehr restriktive Diäten können dazu führen, dass Energie, Eiweiss oder wichtige Nährstoffe nicht ausreichend aufgenommen werden.

    Gleichzeitig kann Ernährung bei CED mehr sein als reine Begleitung: Für bestimmte Situationen – insbesondere bei Morbus Crohn – gibt es spezielle ernährungstherapeutische Verfahren. Diese gehören jedoch in die Betreuung durch ein erfahrenes CED-Team beziehungsweise eine spezialisierte Ernährungsberatung und sollten nicht eigenständig durchgeführt werden.

    Nährstoffversorgung im Blick behalten

    Bei CED kann das Risiko für Mangelernährung und einzelne Nährstoffdefizite erhöht sein. Je nach Erkrankung, Darmabschnitt, Krankheitsaktivität und Therapie können beispielsweise Eisen, Vitamin B12 oder Vitamin D relevant sein. Ob eine Ergänzung notwendig ist, sollte anhand der individuellen Situation und entsprechender Untersuchungen entschieden werden.

    Leben mit CED: Was im Alltag helfen kann

    Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen können den Alltag sehr unterschiedlich beeinflussen. Während manche Menschen in einer Remission kaum Einschränkungen erleben, können aktive Krankheitsphasen mit Durchfall, Schmerzen und ausgeprägter Müdigkeit verbunden sein.

    Regelmässige medizinische Kontrollen bleiben deshalb auch in beschwerdearmen Phasen wichtig. Bewegung kann an die individuelle Belastbarkeit angepasst werden. Ausreichende Erholung und Schlaf können insbesondere dann wichtig sein, wenn Fatigue beziehungsweise ausgeprägte Müdigkeit zum Krankheitsbild gehört.

    Auch die psychische Belastung sollte nicht unterschätzt werden. Eine chronische Erkrankung mit teilweise schwer vorhersehbaren Beschwerden kann Beruf, Freizeit, Partnerschaft und soziale Aktivitäten beeinflussen. Bei Bedarf können psychologische Unterstützung, spezialisierte Beratungsangebote oder der Austausch mit anderen Betroffenen hilfreich sein.

    Ganz praktische Strategien können ebenfalls Sicherheit geben: Wer unterwegs häufig oder dringend eine Toilette benötigt, plant längere Wege möglicherweise anders, informiert sich vorab über Toiletten oder hat für den Notfall Wechselkleidung und persönliche Hilfsmittel dabei.

    CED-Mythen aufgeklärt

    «Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind dasselbe.»
    Nein. Beide gehören zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, unterscheiden sich aber unter anderem darin, welche Abschnitte des Verdauungstrakts betroffen sind und wie tief beziehungsweise zusammenhängend die Entzündung auftritt.

    «CED entstehen durch falsche Ernährung.»
    So einfach ist es nicht. Die Erkrankungen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener genetischer, immunologischer und umweltbedingter Faktoren. Ernährung allein erklärt ihre Entstehung nicht.

    «Bei CED muss man dauerhaft möglichst viele Lebensmittel weglassen.»
    Nein. Pauschale und unnötig restriktive Ernährungsformen können die Nährstoffversorgung erschweren. Die Ernährung sollte individuell an Erkrankung, Krankheitsphase und Verträglichkeit angepasst werden.

    «Wenn ich keine Beschwerden habe, ist die Entzündung verschwunden.»
    Nicht unbedingt. Beschwerden und Entzündungsaktivität müssen nicht immer parallel verlaufen. Deshalb sind Verlaufskontrollen auch in ruhigeren Krankheitsphasen wichtig.

    «CED sind ansteckend.»
    Nein. Morbus Crohn und Colitis ulcerosa können nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden.

    Fazit

    Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, die weit mehr als nur Verdauungsbeschwerden verursachen können. Verlauf und Auswirkungen unterscheiden sich von Person zu Person – ebenso wie die notwendige Behandlung.

    Eine individuell abgestimmte medizinische Therapie, regelmässige Verlaufskontrollen und eine bedarfsgerechte Ernährung bilden wichtige Bausteine im langfristigen Umgang mit CED.

    Häufige Fragen zu Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

    Was ist der Unterschied zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa?

    Morbus Crohn kann grundsätzlich jeden Abschnitt des Verdauungstrakts vom Mund bis zum After betreffen und tiefere Schichten der Darmwand erfassen. Colitis ulcerosa betrifft den Dickdarm und beginnt typischerweise im Enddarm. Die Entzündung breitet sich dort zusammenhängend aus und betrifft vor allem die Darmschleimhaut.

    Was ist der Unterschied zwischen CED und Reizdarm?

    Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronisch-entzündliche Erkrankungen, bei denen sich Entzündungsaktivität medizinisch nachweisen lässt. Das Reizdarmsyndrom gehört dagegen zu den Störungen der Darm-Hirn-Interaktion. Die Beschwerden sind real, beruhen aber nicht auf derselben chronisch-entzündlichen Erkrankung des Darms.

    Sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa heilbar?

    Beide Erkrankungen verlaufen chronisch. Die Behandlung zielt darauf ab, die Entzündung zu kontrollieren, Beschwerden zu reduzieren, Komplikationen möglichst zu verhindern und langfristige Remissionsphasen zu erreichen.

    Welche Ernährung ist bei CED sinnvoll?

    Eine allgemeingültige CED-Diät gibt es nicht. Die Ernährung sollte an Erkrankung, Krankheitsaktivität, Ernährungszustand und individuelle Verträglichkeit angepasst werden. Bei speziellen ernährungstherapeutischen Verfahren ist eine fachliche Begleitung wichtig.

    Kann eine CED auch Beschwerden ausserhalb des Darms verursachen?

    Ja. Entzündliche Veränderungen können unter anderem Gelenke, Haut oder Augen betreffen. Auch bestimmte Erkrankungen der Leber und Gallenwege können im Zusammenhang mit CED auftreten.

    Sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ansteckend?

    Nein. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind nicht ansteckend.


    Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung. Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden wenden Sie sich an eine medizinische Fachperson. Eine bestehende Behandlung sollte nicht ohne ärztliche Rücksprache verändert oder abgesetzt werden. Die Inhalte dieses Beitrags beziehen sich nicht auf Produkte von HAWLIK.

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