Igelstachelbart, Affenkopfpilz, Löwenmähne oder Lion’s Mane – kaum ein Pilz trägt so viele Namen.
Und kaum einer sieht so ungewöhnlich aus: Statt Hut und Lamellen bildet Hericium erinaceus einen weissen Fruchtkörper mit langen, herabhängenden «Stacheln».
Doch Hericium fällt nicht nur optisch auf. Er ist Speisepilz, lässt sich kultivieren und enthält verschiedene Inhaltsstoffe, die wissenschaftlich untersucht werden. Ein genauerer Blick auf einen Pilz, der inzwischen weit über seine ursprünglichen Verbreitungsgebiete hinaus bekannt ist.
Mehr über Pilze, ihren Aufbau und ihre Besonderheiten erfahren Sie in unserem
Vitalpilz-Guide.
Hericium, Lion’s Mane oder Igelstachelbart?
Gemeint ist derselbe Pilz. Hericium erinaceus ist der wissenschaftliche Name. Im deutschsprachigen Raum ist vor allem die Bezeichnung Igelstachelbart gebräuchlich, daneben findet man Namen wie Affenkopfpilz oder Löwenmähne. Im Englischen ist er als «Lion’s Mane» bekannt, in Japan als Yamabushitake.
Die bildhaften Namen kommen nicht von ungefähr: Der Fruchtkörper erinnert mit seinen zahlreichen weissen, herabhängenden Stacheln tatsächlich ein wenig an eine zottelige Mähne.
Ein Pilz ohne den typischen Pilzhut
Wer bei einem Pilz an Hut und Stiel denkt, wird Hericium kaum auf Anhieb als solchen erkennen. Sein Fruchtkörper ist zunächst weiss bis cremefarben und kann eine beachtliche Grösse erreichen. An seiner Oberfläche befinden sich zahlreiche weiche, nach unten gerichtete Stacheln. An ihnen werden die Sporen gebildet. Mit zunehmendem Alter kann sich der Fruchtkörper gelblich bis bräunlich verfärben.
In der Natur wächst Hericium auf Laubbäumen und besiedelt unter anderem Buchen und Eichen. Man findet ihn an älteren, geschädigten oder abgestorbenen Bäumen und Holz.
In der Schweiz gehört der Igelstachelbart zu den gefährdeten Grosspilzen. Wildfunde sind deshalb etwas Besonderes und sollten mit entsprechendem Respekt behandelt werden.
Speisepilz
Mild im Geschmack und mit einer faserigen Konsistenz.
Laubholzbewohner
Besiedelt unter anderem Buchen und Eichen.
Kultivierbar
Wird heute gezielt auf geeigneten Substraten angebaut.
Fruchtkörper und Myzel: Was ist der Unterschied?
Was wir bei Hericium als Pilz sehen, ist nur ein Teil des gesamten Organismus. Der auffällige weisse Fruchtkörper dient der Bildung und Verbreitung der Sporen. Das eigentliche Pilzgeflecht – das Myzel – besteht aus feinen Pilzfäden und wächst im jeweiligen Substrat.
Diese Unterscheidung ist auch bei verarbeiteten Pilzprodukten interessant. Je nach Herstellungsverfahren können Fruchtkörper, Myzel oder daraus gewonnene Extrakte verwendet werden. Deshalb lohnt sich beim Vergleich verschiedener Produkte ein Blick auf die Deklaration.
Wie wird Hericium kultiviert?
Hericium lässt sich gezielt kultivieren. Als Grundlage dienen geeignete holzbasierte Substrate, auf denen sich zunächst das Myzel ausbreitet. Unter passenden Bedingungen entwickeln sich daraus später die charakteristischen weissen Fruchtkörper.
Durch die Kultivierung kann Hericium unabhängig von seltenen Wildvorkommen als Speisepilz sowie als Ausgangsmaterial für verarbeitete Pilzprodukte genutzt werden.
Warum Hericium auch in der Küche interessant ist
In verschiedenen asiatischen Ländern wird Hericium seit Langem als Speisepilz verwendet. Inzwischen findet man kultivierte Fruchtkörper zunehmend auch ausserhalb Asiens.
Das Innere des Pilzes besitzt eine zarte, leicht faserige Struktur. Sein Geschmack wird häufig als mild beschrieben und aufgrund von Aroma und Konsistenz gelegentlich mit Meeresfrüchten verglichen.
In Scheiben oder Stücke geschnitten lässt sich Hericium beispielsweise in der Pfanne anbraten und für Gemüsegerichte, Pasta oder Risotto verwenden. Pilze sollten grundsätzlich nicht roh gegessen, sondern vor dem Verzehr gegart werden.
Was steckt im Hericium?
Wie andere Pilze enthält Hericium verschiedene Polysaccharide und weitere natürliche Bestandteile. Zu den Polysacchariden gehören auch Beta-Glucane. Daneben wurden zahlreiche weitere Inhaltsstoffe beschrieben.
Besonders häufig begegnet man im Zusammenhang mit Hericium den Begriffen Hericenone und Erinacine. Hericenone wurden insbesondere aus den Fruchtkörpern isoliert. Erinacine sind eine andere Gruppe natürlicher Inhaltsstoffe, die überwiegend im Myzel gebildet und untersucht werden.
Gut zu wissen:
Fruchtkörper und Myzel sind nicht dasselbe und können sich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Auch die Verarbeitung und Extraktion beeinflussen, welche Bestandteile in einem Pilzprodukt enthalten sind.
Warum interessiert sich die Forschung für Hericium?
Hericenone, Erinacine, Polysaccharide und weitere Bestandteile von Hericium werden wissenschaftlich untersucht. Dabei beschäftigen sich Forschende unter anderem mit ihren chemischen Eigenschaften und damit, wie einzelne isolierte Stoffe oder Pilzextrakte in unterschiedlichen Versuchsmodellen reagieren.
Wichtig ist jedoch die Einordnung: Ein grosser Teil der Erkenntnisse zu einzelnen Hericium-Inhaltsstoffen stammt aus Zell- und Tierversuchen. Auch Untersuchungen am Menschen liegen vor, die klinische Datenlage ist jedoch deutlich begrenzter als die präklinische Forschung.
Ergebnisse aus Labor- oder Tierversuchen lassen sich nicht unmittelbar auf die Wirkung eines Lebensmittels oder Nahrungsergänzungsmittels beim Menschen übertragen. Aus dem wissenschaftlichen Interesse an einem Inhaltsstoff ergibt sich daher noch keine nachgewiesene gesundheitliche Wirkung eines Hericium-Produktes.
Fazit
Hericium erinaceus ist schon aufgrund seines Aussehens aussergewöhnlich. Der Pilz mit der charakteristischen «Löwenmähne» ist Speisepilz, lässt sich kultivieren und besitzt eine vielfältige Zusammensetzung, die Gegenstand wissenschaftlicher Forschung ist.
Wer Hericium als verarbeitetes Produkt kauft, sollte nicht nur auf den Namen des Pilzes achten. Auch die Frage, ob Fruchtkörper oder Myzel verwendet wurden und wie das Ausgangsmaterial verarbeitet wurde, hilft dabei, Produkte besser einzuordnen.
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Häufige Fragen zu Hericium
Sind Hericium und Lion’s Mane dasselbe?
Ja. Lion’s Mane ist die englische Bezeichnung für Hericium erinaceus. Im Deutschen ist der Pilz unter anderem als Igelstachelbart bekannt.
Ist Hericium ein Speisepilz?
Ja. Der Fruchtkörper von Hericium wird als Speisepilz verwendet. Er besitzt eine faserige Konsistenz und einen milden Geschmack. Pilze sollten vor dem Verzehr gegart werden.
Was ist der Unterschied zwischen Fruchtkörper und Myzel?
Der Fruchtkörper ist der sichtbare Teil des Pilzes, an dem die Sporen gebildet werden. Das Myzel ist das feine Geflecht aus Pilzfäden, das sich im Substrat ausbreitet. Beide können sich in ihrer Zusammensetzung unterscheiden.
Was sind Hericenone und Erinacine?
Hericenone und Erinacine sind zwei Gruppen natürlicher Inhaltsstoffe von Hericium, die wissenschaftlich untersucht werden. Hericenone wurden insbesondere aus Fruchtkörpern isoliert, während Erinacine überwiegend im Myzel vorkommen beziehungsweise dort gebildet werden.
Ist die Wirkung von Hericium wissenschaftlich belegt?
Hericium und einzelne seiner Inhaltsstoffe werden wissenschaftlich untersucht. Viele Erkenntnisse stammen bislang aus Labor- und Tierversuchen. Ergebnisse solcher Untersuchungen können nicht direkt auf eine gesundheitliche Wirkung von Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln beim Menschen übertragen werden.
Hinweis:
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Begriffserklärung. Angaben zu Pilzarten, Inhaltsstoffen oder wissenschaftlicher Forschung stellen keine Aussagen zur Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten dar. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Für konkrete Produkte gelten die jeweiligen Produktinformationen.