Hashimoto: Müdigkeit, Frieren & Co. – was steckt dahinter?

Hashimoto: Müdigkeit, Frieren & Co. – was steckt dahinter?

Inhaltsverzeichnis

    Ausgeschlafen und trotzdem müde, ständig am Frieren oder plötzlich weniger belastbar – manchmal steckt hinter solchen Beschwerden die Schilddrüse. Eine mögliche Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion ist die Hashimoto-Thyreoiditis.

    Doch Müdigkeit bedeutet nicht automatisch Hashimoto – und Hashimoto bedeutet nicht automatisch eine Schilddrüsenunterfunktion. Was passiert bei der Autoimmunerkrankung, welche Rolle spielen TSH und Schilddrüsenhormone und was ist von Jod, Selen oder speziellen «Hashimoto-Diäten» zu halten?

    Hashimoto: Wenn sich das Immunsystem gegen die Schilddrüse richtet

    Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Dabei richtet sich das Immunsystem gegen Bestandteile des eigenen Schilddrüsengewebes. Es entsteht eine chronische Entzündung, durch die das Gewebe im Laufe der Zeit geschädigt werden kann.

    Die Folge kann eine Schilddrüsenunterfunktion – eine sogenannte Hypothyreose – sein. Das geschieht jedoch nicht bei allen Betroffenen sofort. Manche Menschen haben Hashimoto und über längere Zeit normale Schilddrüsenwerte. Erst wenn die Schilddrüse nicht mehr genügend Hormone bereitstellen kann, entwickelt sich eine Unterfunktion.

    Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Auch eine familiäre Häufung von Schilddrüsen- und anderen Autoimmunerkrankungen ist bekannt.

    Eine kleine Drüse mit grossem Einfluss

    Die Schilddrüse liegt schmetterlingsförmig vorne am Hals und bildet vor allem die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Diese beeinflussen zahlreiche Vorgänge im Körper – unter anderem den Energieumsatz, Herz und Kreislauf, Körpertemperatur, Verdauung und Nervensystem.

    Gesteuert wird die Schilddrüse unter anderem über das Hormon TSH, das in der Hirnanhangsdrüse gebildet wird. Vereinfacht gesagt erhält die Schilddrüse über TSH das Signal, Schilddrüsenhormone zu produzieren.

    TSH Ein Steuerhormon der Hirnanhangsdrüse. Bei einer primären Schilddrüsenunterfunktion steigt der TSH-Wert typischerweise an.
    T4 Thyroxin ist das mengenmässig wichtigste von der Schilddrüse abgegebene Schilddrüsenhormon und dient unter anderem als Ausgangsstoff für T3.
    T3 Trijodthyronin ist die biologisch besonders aktive Form des Schilddrüsenhormons und entsteht zu einem grossen Teil durch Umwandlung aus T4.

    Warum kann eine Schilddrüsenunterfunktion so müde machen?

    Schilddrüsenhormone beeinflussen den Energieumsatz und zahlreiche weitere Körperfunktionen. Werden bei einer Unterfunktion zu wenig Schilddrüsenhormone bereitgestellt, laufen verschiedene Prozesse langsamer ab.

    Müdigkeit und verminderte Leistungsfähigkeit gehören deshalb zu den möglichen Beschwerden einer Schilddrüsenunterfunktion. Manche Betroffene beschreiben, dass sie trotz ausreichend Schlaf erschöpft sind, morgens schwer in Gang kommen oder sich weniger konzentrieren können.

    Häufig treten gleichzeitig weitere Beschwerden auf. Dazu können Kälteempfindlichkeit, trockene Haut, Verstopfung, Gewichtszunahme, Konzentrations- oder Gedächtnisprobleme, Muskel- und Gelenkbeschwerden, Veränderungen der Haare oder eine gedrückte Stimmung gehören.

    Müdigkeit allein bedeutet noch keine Schilddrüsenerkrankung

    Müdigkeit gehört zu den häufigsten und unspezifischsten Beschwerden überhaupt. Schlafmangel, Stress, Infekte, Blutarmut, Medikamente und zahlreiche weitere Faktoren können ebenfalls dahinterstecken. Ob die Schilddrüse eine Rolle spielt, lässt sich deshalb nicht anhand der Müdigkeit allein feststellen.

    Hashimoto und Unterfunktion sind nicht dasselbe

    Die Begriffe werden im Alltag häufig gleichgesetzt, beschreiben aber zwei unterschiedliche Dinge: Hashimoto bezeichnet die Autoimmunerkrankung, während eine Hypothyreose die verminderte Funktion der Schilddrüse beschreibt.

    Ein Mensch kann Hashimoto haben, obwohl die Schilddrüse noch ausreichend Hormone produziert. In diesem Stadium können TSH und freie Schilddrüsenhormone noch im Normalbereich liegen.

    Erst wenn die Hormonproduktion nicht mehr ausreicht, entsteht eine Unterfunktion. Deshalb richtet sich die Behandlung nicht allein danach, ob Schilddrüsen-Antikörper vorhanden sind, sondern vor allem nach der tatsächlichen Schilddrüsenfunktion und der individuellen Situation.

    Wie wird Hashimoto festgestellt?

    Die Diagnose ergibt sich aus mehreren Informationen. Neben Beschwerden und Krankengeschichte spielen vor allem Blutuntersuchungen eine Rolle.

    Besonders wichtig sind TSH und freies T4 (fT4), weil sie Auskunft über die Schilddrüsenfunktion geben. Zusätzlich können Schilddrüsen-Antikörper bestimmt werden. Typisch für Hashimoto sind insbesondere Antikörper gegen die Thyreoperoxidase, sogenannte TPO-Antikörper. Auch Thyreoglobulin-Antikörper können vorkommen.

    Eine Ultraschalluntersuchung kann ergänzend Informationen über Grösse und Struktur der Schilddrüse liefern und typische Veränderungen sichtbar machen. Sie ist jedoch nicht in jedem Fall erforderlich, um Hashimoto festzustellen.

    Wichtig ist ausserdem: Die Höhe der Antikörper sagt nicht direkt aus, wie gut oder schlecht die Schilddrüse aktuell arbeitet. Für die Beurteilung der Schilddrüsenfunktion sind insbesondere TSH und fT4 entscheidend.

    Was passiert nach der Diagnose?

    Sind Schilddrüsen-Antikörper nachweisbar, die Schilddrüsenwerte aber normal, ist nicht automatisch eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen erforderlich. Stattdessen kann es sinnvoll sein, die Schilddrüsenfunktion im Verlauf zu kontrollieren.

    Hat sich dagegen eine behandlungsbedürftige Unterfunktion entwickelt, wird in der Regel Levothyroxin (L-Thyroxin) eingesetzt. Es entspricht dem Schilddrüsenhormon T4 und ersetzt das Hormon, das die Schilddrüse nicht mehr ausreichend bereitstellen kann.

    Die benötigte Dosis ist individuell. Nach Beginn einer Behandlung oder einer Dosisänderung werden die Schilddrüsenwerte deshalb kontrolliert und die Dosierung bei Bedarf angepasst.

    Jod, Selen und «Hashimoto-Diäten»: Was stimmt wirklich?

    Rund um Hashimoto kursieren besonders viele Ernährungsempfehlungen. Dabei wird häufig der Eindruck vermittelt, einzelne Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel könnten die Autoimmunerkrankung gezielt beeinflussen oder sogar rückgängig machen. Dafür gibt es keine einfache allgemeingültige Lösung.

    «Bei Hashimoto muss man Jod vollständig meiden.»

    So pauschal stimmt das nicht. Jod ist ein essenzieller Bestandteil der Schilddrüsenhormone und wird vom Körper benötigt. Problematisch können jedoch sehr hohe Jodmengen sein. Insbesondere hochdosierte Jodpräparate sollten bei Hashimoto nicht ohne medizinische Rücksprache eingenommen werden.

    «Selen gehört automatisch zur Hashimoto-Behandlung.»

    Nein. Selen ist ein essenzielles Spurenelement und an normalen Schilddrüsenfunktionen beteiligt. Daraus folgt jedoch nicht, dass Menschen mit Hashimoto grundsätzlich ein Selenpräparat benötigen. Eine Supplementierung sollte nicht routinemässig und insbesondere nicht hochdosiert auf eigene Faust erfolgen.

    «Bei Hashimoto muss man glutenfrei essen.»

    Eine allgemeine Empfehlung für eine glutenfreie Ernährung bei allen Menschen mit Hashimoto gibt es nicht. Anders ist die Situation bei einer diagnostizierten Zöliakie: Dann ist eine glutenfreie Ernährung medizinisch erforderlich.

    «Hohe Antikörper bedeuten automatisch eine starke Unterfunktion.»

    Nein. Schilddrüsen-Antikörper unterstützen die Diagnose einer Autoimmunthyreoiditis, zeigen aber nicht direkt, wie viel Schilddrüsenhormon aktuell produziert wird. Dafür werden insbesondere TSH und fT4 beurteilt.

    Ernährung: Normal statt möglichst kompliziert

    Eine spezielle Ernährung, die Hashimoto nachweislich heilt, gibt es nicht. Für den Alltag steht deshalb grundsätzlich eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung im Vordergrund.

    Einzelne Nährstoffe wie Jod und Selen haben normale Funktionen im Zusammenhang mit der Schilddrüse. Das ist jedoch nicht gleichbedeutend damit, dass eine zusätzliche Einnahme bei Hashimoto automatisch einen Nutzen bringt.

    Nahrungsergänzungsmittel sollten insbesondere bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung nicht wahllos miteinander kombiniert werden. Bei einem vermuteten Nährstoffmangel kann medizinisch beurteilt werden, ob eine gezielte Untersuchung oder Ergänzung sinnvoll ist.

    Levothyroxin: Auch die Einnahme spielt eine Rolle

    Wer Levothyroxin einnimmt, sollte sich an die ärztlichen beziehungsweise pharmazeutischen Einnahmehinweise halten. Bestimmte Lebensmittel, Getränke, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel können beeinflussen, wie gut das Schilddrüsenhormon aufgenommen wird.

    Dazu gehören beispielsweise Präparate mit Calcium oder Eisen. Deshalb kann ein zeitlicher Abstand zur Einnahme von Levothyroxin erforderlich sein. Auch die Einnahme zusammen mit Nahrung kann die Aufnahme beeinflussen.

    Die eigene Medikation sollte jedoch nicht aufgrund allgemeiner Internetempfehlungen verändert werden. Bei Unsicherheit zur Einnahme oder zu möglichen Wechselwirkungen können Arztpraxis oder Apotheke individuell beraten.

    Kinderwunsch und Schwangerschaft: Die Schilddrüse besonders im Blick behalten

    Schilddrüsenhormone spielen während einer Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Gleichzeitig kann sich der Bedarf an Schilddrüsenhormon verändern.

    Wer Hashimoto hat und schwanger werden möchte, sollte deshalb die Schilddrüsenwerte bereits bei Kinderwunsch mit der behandelnden Fachperson besprechen. Während der Schwangerschaft sind regelmässige Kontrollen besonders wichtig, und bei einer bestehenden Levothyroxin-Therapie kann eine Anpassung der Dosis erforderlich werden.

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    Jod in der Schwangerschaft individuell besprechen

    Während Schwangerschaft und Stillzeit verändert sich der Jodbedarf. Gleichzeitig erfordert eine bestehende Autoimmunerkrankung der Schilddrüse eine individuelle Beurteilung. Jodpräparate deshalb nicht eigenständig absetzen oder hochdosiert ergänzen, sondern die passende Versorgung mit der behandelnden Fachperson besprechen.

    Müde trotz gut eingestellter Schilddrüse?

    Gerade bei Müdigkeit ist ein Punkt wichtig: Bestehen Beschwerden weiter, obwohl die Schilddrüsenwerte gut eingestellt sind, bedeutet das nicht automatisch, dass mehr Schilddrüsenhormon benötigt wird.

    Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gewichtsschwankungen oder eine gedrückte Stimmung sind nicht spezifisch für Hashimoto. Deshalb kann es sinnvoll sein, gemeinsam mit einer medizinischen Fachperson auch andere mögliche Ursachen zu betrachten, anstatt die Schilddrüsenmedikation eigenständig zu verändern.

    Fazit

    Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, die im Verlauf zu einer Unterfunktion führen kann – aber nicht zwangsläufig von Beginn an dazu führt. Müdigkeit, Frieren und Gewichtszunahme können bei einer Unterfunktion auftreten, sind für sich allein jedoch kein Beweis für eine Schilddrüsenerkrankung.

    Entscheidend sind eine sorgfältige Diagnose, die Beurteilung der tatsächlichen Schilddrüsenfunktion und – wenn erforderlich – eine individuell eingestellte Behandlung mit regelmässigen Kontrollen.

    Häufige Fragen zu Hashimoto

    Kann Hashimoto müde machen?

    Entwickelt sich durch Hashimoto eine Schilddrüsenunterfunktion, können Müdigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit und Konzentrationsprobleme auftreten. Müdigkeit hat jedoch viele mögliche Ursachen und lässt allein keine Diagnose zu.

    Bedeutet Hashimoto automatisch eine Schilddrüsenunterfunktion?

    Nein. Bei Hashimoto kann die Schilddrüsenfunktion zunächst normal sein. Im Verlauf kann sich durch die Schädigung des Schilddrüsengewebes eine Unterfunktion entwickeln.

    Wie wird Hashimoto festgestellt?

    Zur Beurteilung gehören Krankengeschichte, Untersuchung und Blutwerte. Besonders wichtig sind TSH und fT4 sowie gegebenenfalls Schilddrüsen-Antikörper wie TPO-Antikörper. Eine Ultraschalluntersuchung kann ergänzend sinnvoll sein.

    Muss Hashimoto immer mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden?

    Nein. Sind Schilddrüsen-Antikörper vorhanden, die Schilddrüsenwerte aber normal, ist nicht automatisch eine Behandlung mit Schilddrüsenhormon erforderlich. Bei einer behandlungsbedürftigen Unterfunktion wird in der Regel Levothyroxin eingesetzt.

    Sollte man bei Hashimoto Jod vermeiden?

    Jod muss nicht grundsätzlich aus der Ernährung gestrichen werden. Sehr hohe Jodmengen und hochdosierte Jodpräparate können bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse jedoch problematisch sein. Nahrungsergänzungsmittel sollten deshalb mit einer medizinischen Fachperson abgesprochen werden.

    Hilft Selen bei Hashimoto?

    Selen hat normale Funktionen im Körper und trägt zu einer normalen Schilddrüsenfunktion bei. Daraus folgt jedoch nicht, dass bei Hashimoto grundsätzlich ein Selenpräparat erforderlich ist. Eine Supplementierung sollte individuell beurteilt werden.

    Muss man bei Hashimoto glutenfrei essen?

    Für eine glutenfreie Ernährung bei allen Menschen mit Hashimoto gibt es keine allgemeine Empfehlung. Bei einer diagnostizierten Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung dagegen erforderlich.


    Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose, Beratung oder Behandlung. Schilddrüsenerkrankungen sowie die Einnahme von Schilddrüsenhormonen, Jod oder Nahrungsergänzungsmitteln sollten individuell mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden. Die Inhalte beziehen sich nicht auf Produkte von HAWLIK.

     

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