Haare unter der Lupe: Was ihnen guttut – und was wirklich hinter Haarausfall steckt

Haare unter der Lupe: Was ihnen guttut – und was wirklich hinter Haarausfall steckt

Inhaltsverzeichnis

    Glänzend, voll und kräftig – so wünschen sich viele ihr Haar. Doch was wir oberhalb der Kopfhaut sehen, erzählt nur einen Teil der Geschichte. Haare wachsen in einem eigenen Rhythmus, reagieren auf innere und äussere Einflüsse und können durch Hitze, Färben oder mechanische Belastung sichtbar strapaziert werden.

    Und dann sind da noch die Haare in Bürste und Dusche: Wie viel Haarverlust ist eigentlich normal? Was ist der Unterschied zwischen Haarbruch und Haarausfall – und was stimmt wirklich an bekannten Haarmythen?

    Haare wachsen nicht einfach immer weiter

    Jedes Haar entsteht in einem Haarfollikel in der Haut und durchläuft einen eigenen Zyklus. Deshalb wachsen nicht alle Haare gleichzeitig – während sich ein Haar in seiner Wachstumsphase befindet, kann ein anderes bereits in die Ruhephase übergehen.

    Wachstumsphase Das Haar wächst. Diese Phase kann bei Kopfhaaren mehrere Jahre dauern.
    Übergangsphase Das aktive Wachstum endet und der Haarfollikel verändert sich.
    Ruhe- und Ausfallphase Das alte Haar wird schliesslich abgestossen und der Haarzyklus beginnt erneut.

    Weil sich unsere Haare gleichzeitig in unterschiedlichen Phasen befinden, gehört täglicher Haarverlust dazu. Als grobe Orientierung werden häufig etwa 50 bis 100 Haare pro Tag genannt. Die tatsächlich wahrgenommene Menge kann allerdings schwanken – beispielsweise fällt nach einigen Tagen ohne Haarwäsche beim Waschen mehr auf einmal auf.

    Haarbruch oder Haarausfall? Ein wichtiger Unterschied

    Nicht jedes Haar, das plötzlich kürzer oder dünner erscheint, ist an der Wurzel ausgefallen. Bei Haarbruch bricht der sichtbare Haarschaft. Das kann dazu führen, dass die Haare unterschiedlich lang wirken, sich trocken oder spröde anfühlen und vermehrt Spliss zeigen.

    Bei Haarausfall geht dagegen das gesamte Haar verloren. Werden insgesamt weniger Haare nachgebildet oder fallen deutlich mehr aus, kann das Haar sichtbar dünner werden oder es können kahle Bereiche entstehen.

    Warum dieser Unterschied wichtig ist

    Eine Haarkur kann die Oberfläche strapazierter Haare pflegen und das Haar geschmeidiger erscheinen lassen. Die Ursache eines echten Haarausfalls lässt sich damit jedoch nicht automatisch beheben. Bei auffälligem Haarausfall ist deshalb entscheidend, zunächst die Ursache zu kennen.

    Was unsere Haare strapaziert

    Der sichtbare Teil des Haares besteht überwiegend aus Keratin. Seine äussere Schuppenschicht schützt die darunterliegenden Strukturen. Wird diese Oberfläche wiederholt geschädigt, kann das Haar zunehmend rau, glanzlos und bruchanfällig werden.

    Hohe Temperaturen beim Föhnen, Glätten oder Locken können das Haar ebenso beanspruchen wie Blondieren, Färben, Dauerwellen und andere chemische Behandlungen. Auch häufiges kräftiges Bürsten, Ziehen und Reiben kann Haarbruch begünstigen. Nasses Haar ist je nach Haartyp besonders vorsichtig zu behandeln.

    Nicht nur der Haarschaft kann mechanisch belastet werden. Sehr straffe Zöpfe, Dutts, Braids oder andere Frisuren, die dauerhaft an den Haaren ziehen, können auch die Haarfollikel belasten. Hält dieser Zug über längere Zeit an, kann daraus eine sogenannte Traktionsalopezie entstehen.

    Haarpflege: Oft ist weniger mehr

    Gute Haarpflege muss nicht aus möglichst vielen Produkten bestehen. Entscheidend ist vielmehr, das Haar passend zu seiner Struktur und zum Zustand der Kopfhaut zu behandeln.

    Shampoo wird in erster Linie benötigt, um Kopfhaut und Haaransatz zu reinigen. Beim Ausspülen gelangt es ohnehin durch die Längen. Conditioner oder eine geeignete Pflege können insbesondere längeres oder trockenes Haar geschmeidiger machen und das Entwirren erleichtern.

    Wer regelmässig föhnt, glättet oder einen Lockenstab verwendet, kann die Belastung reduzieren, indem die Temperatur möglichst niedrig gewählt und Hitze nicht länger als nötig eingesetzt wird. Auch beim Bürsten gilt: lieber vorsichtig entwirren als kräftig ziehen.

    Haarbewusst durch den Alltag
    • Shampoo vor allem sanft in die Kopfhaut einmassieren
    • nasses Haar vorsichtig behandeln und nicht kräftig trockenrubbeln
    • Hitze möglichst reduzieren
    • chemische Behandlungen nicht unnötig häufig durchführen
    • beim Bürsten und Entwirren nicht stark am Haar ziehen
    • sehr straffe Frisuren nicht dauerhaft tragen

    Haare brauchen auch Nährstoffe

    Haarwachstum findet im Körper statt – entsprechend gehört auch eine ausreichende Versorgung mit Energie und Nährstoffen zum Gesamtbild. Eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung ist dafür die Grundlage.

    Für einige Nährstoffe bestehen anerkannte gesundheitsbezogene Angaben: Biotin, Zink und Selen tragen zur Erhaltung normaler Haare bei. Diese Aussage bedeutet jedoch nicht, dass eine zusätzliche Einnahme automatisch zu schnellerem oder dichterem Haarwachstum führt.

    Auch ein Nährstoffmangel kann bei Haarausfall eine Rolle spielen. Deshalb ist es insbesondere bei auffälligem Haarverlust sinnvoller, mögliche Ursachen medizinisch abzuklären, statt auf Verdacht verschiedene hoch dosierte Präparate einzunehmen.

    Haarmythen aufgeklärt

    Rund um Haarwachstum und Haarpflege gibt es erstaunlich viele Regeln, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Nicht alle halten einem Faktencheck stand.

    Mythos 1: «Wenn ich die Spitzen regelmässig schneide, wachsen meine Haare schneller.»

    Haare wachsen an der Haarwurzel in der Kopfhaut – nicht an den Spitzen. Das Schneiden verändert deshalb die Wachstumsgeschwindigkeit an der Wurzel nicht. Frisch geschnittene Spitzen können das Haar allerdings voller und gepflegter erscheinen lassen und entfernen bereits gespaltene oder stark strapazierte Enden.

    Mythos 2: «100 Bürstenstriche am Tag machen die Haare kräftiger.»

    Viel Bürsten macht Haare nicht kräftiger. Im Gegenteil: Unnötig häufiges Bürsten und starkes Ziehen können den Haarschaft mechanisch belasten und Haarbruch begünstigen. Entwirren Sie das Haar lieber so oft wie nötig und so sanft wie möglich.

    Mythos 3: «Viele Haare in der Dusche bedeuten automatisch Haarausfall.»

    Nicht unbedingt. Haare werden laufend abgestossen. Wer seine Haare beispielsweise nicht täglich wäscht oder bürstet, sieht beim nächsten Waschen häufig mehrere bereits gelöste Haare auf einmal. Auffälliges Ausdünnen, kahle Stellen oder über längere Zeit deutlich stärkerer Haarverlust sollten dagegen abgeklärt werden.

    Mythos 4: «Ein spezielles Shampoo kann jeden Haarausfall stoppen.»

    Haarausfall hat viele mögliche Ursachen. Ein Shampoo kann Haare und Kopfhaut reinigen und je nach Produkt pflegen, beseitigt aber nicht automatisch die Ursache eines Haarausfalls. Bei auffälligem Haarverlust ist deshalb eine passende Diagnose wichtiger als ein Produktversprechen.

    Warum fallen plötzlich mehr Haare aus?

    Haarausfall ist keine einzelne Erkrankung, sondern kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Eine häufige Form ist erblich bedingter Haarverlust. Daneben können beispielsweise bestimmte Erkrankungen, hormonelle Veränderungen, Medikamente oder eine unzureichende Versorgung mit bestimmten Nährstoffen eine Rolle spielen.

    Nach einer Geburt, einer Erkrankung mit hohem Fieber, einer Operation oder einer ausgeprägten körperlichen oder psychischen Belastung kann es ausserdem zeitversetzt zu verstärktem Haarausfall kommen. Dabei können mehr Haare als üblich gleichzeitig in die Ruhe- und anschliessende Ausfallphase wechseln.

    Auch Veränderungen der Schilddrüsenfunktion oder ein Eisenmangel gehören zu den möglichen medizinischen Zusammenhängen. Welche Ursache im Einzelfall vorliegt, lässt sich jedoch nicht anhand der ausgefallenen Haare allein feststellen.

    Wann sollte Haarausfall abgeklärt werden?

    Ein paar zusätzliche Haare in der Bürste sind noch kein Grund zur Sorge. Wenn sich die Haardichte jedoch sichtbar verändert, der Haarverlust ungewöhnlich stark erscheint oder kahle Stellen entstehen, ist eine ärztliche beziehungsweise dermatologische Abklärung sinnvoll.

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    Bitte ärztlich abklären lassen

    Plötzlich auftretender oder anhaltend auffälliger Haarverlust, deutlich dünner werdendes Haar, kreisrunde oder andere kahle Stellen sowie Veränderungen der Kopfhaut sollten medizinisch beurteilt werden. Auch zusätzliche Beschwerden können wichtige Hinweise auf die Ursache liefern.

    Fazit

    Haare durchlaufen von Natur aus einen Wachstumszyklus – deshalb gehören ausgefallene Haare zum Alltag. Gleichzeitig lohnt es sich, zwischen Haarbruch, normalem Haarwechsel und tatsächlichem Haarausfall zu unterscheiden.

    Schonende Pflege kann dabei helfen, unnötige Schäden am Haar zu vermeiden. Wenn die Haare dagegen auffällig dünner werden oder vermehrt ausfallen, ist die Suche nach der Ursache wichtiger als das nächste vermeintliche Wundermittel.

    Häufige Fragen rund um Haare und Haarausfall

    Wie viele Haare verliert man am Tag?

    Als grobe Orientierung werden häufig etwa 50 bis 100 Haare täglich genannt. Entscheidend ist weniger das Zählen einzelner Haare als eine auffällige Veränderung gegenüber dem persönlichen Normalzustand, beispielsweise sichtbar dünner werdendes Haar oder kahle Stellen.

    Woran erkenne ich Haarbruch?

    Bei Haarbruch bricht der Haarschaft, sodass unterschiedlich lange Haare entstehen können. Das Haar kann gleichzeitig trocken, rau oder splissig wirken. Bei Haarausfall löst sich dagegen das gesamte Haar.

    Wachsen Haare schneller, wenn man sie häufig schneidet?

    Nein. Haare wachsen aus den Haarfollikeln in der Kopfhaut. Das Schneiden der Spitzen beeinflusst die Wachstumsgeschwindigkeit an der Haarwurzel nicht. Es kann jedoch strapazierte Spitzen entfernen und das Haar gepflegter erscheinen lassen.

    Kann Stress zu vermehrtem Haarausfall führen?

    Ausgeprägte körperliche oder psychische Belastungen können mit zeitversetzt auftretendem verstärktem Haarverlust verbunden sein. Da Haarausfall viele mögliche Ursachen hat, sollte auffälliger oder anhaltender Haarverlust jedoch medizinisch abgeklärt werden.

    Welche Nährstoffe tragen zur Erhaltung normaler Haare bei?

    Biotin, Zink und Selen tragen zur Erhaltung normaler Haare bei. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass eine zusätzliche Einnahme bei ausreichender Versorgung das Haar schneller wachsen lässt oder Haarausfall behandelt.

    Wann sollte ich mit Haarausfall zum Arzt?

    Eine Abklärung ist insbesondere bei plötzlich auftretendem oder anhaltend auffälligem Haarverlust, sichtbar dünner werdendem Haar, kahlen Stellen oder begleitenden Veränderungen der Kopfhaut sinnvoll.


    Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose, Beratung oder Behandlung. Angaben zu Nährstoffen beziehen sich auf deren normale physiologische Funktionen und nicht auf die Vorbeugung, Behandlung oder Heilung von Haarausfall oder anderen Erkrankungen. Bei auffälligem oder anhaltendem Haarverlust wenden Sie sich bitte an eine medizinische Fachperson.

     

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