Diabetes mellitus: Ursachen, Symptome und Prävention

Diabetes mellitus: Ursachen, Symptome und Prävention

Inhaltsverzeichnis

    Unter Diabetes mellitus, auch "honigsüsser Durchfluss" oder umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, versteht man eine Stoffwechselstörung, bei der Kohlenhydrate vom Körper nicht mehr richtig verarbeitet werden können. Schuld daran ist ein Mangel des Hormons Insulin, welches dafür sorgt, dass Zucker, oder genauer gesagt die Glucose in die Zellen aufgenommen werden kann. Dahinter können unterschiedliche Ursachen stecken. Denn Diabetes ist nicht gleich Diabetes: Während bei Typ-1-Diabetes das Immunsystem eine entscheidende Rolle spielt, entwickelt sich Typ-2-Diabetes meist über einen längeren Zeitraum. Eine weitere Form kann während einer Schwangerschaft auftreten.

    Dieser Beitrag erklärt die wichtigsten Zusammenhänge verständlich und kompakt.

    Diabetes in der Schweiz – kurz zusammengefasst

    3 wichtige Diabetesformen
    6,9 % der Männer in der Schweiz*
    4,0 % der Frauen in der Schweiz*

    * Anteil der Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten mit Diabetes gemäss Schweizerischer Gesundheitsbefragung 2022.

    Was passiert bei Diabetes im Körper?

    Damit unser Körper mit Energie versorgt werden kann, wird ein Teil der Nahrung zu Glucose abgebaut. Diese gelangt ins Blut und steht den Körperzellen als Energiequelle zur Verfügung. Eine wichtige Rolle spielt dabei Insulin. Das Hormon wird in der Bauchspeicheldrüse gebildet und hilft dabei, Glucose aus dem Blut in verschiedene Körperzellen aufzunehmen.

    Bei Diabetes ist dieses Zusammenspiel gestört. Je nach Diabetesform produziert der Körper zu wenig oder kein Insulin oder die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend darauf. Dadurch verbleibt vermehrt Glucose im Blut und der Blutzuckerspiegel steigt.

    Welche Arten von Diabetes gibt es?

    Diabetes mellitus umfasst verschiedene Erkrankungsformen. Zu den bekanntesten gehören Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes und Schwangerschaftsdiabetes. Obwohl bei allen Formen erhöhte Blutzuckerwerte auftreten, unterscheiden sich ihre Ursachen deutlich.

    Typ-1-Diabetes

    Bei Typ-1-Diabetes greift das eigene Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an. Dadurch bildet der Körper mit der Zeit kaum noch oder kein eigenes Insulin mehr.

    Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Betroffene benötigen Insulin. Die Erkrankung beginnt häufig im Kindes- oder Jugendalter, kann aber grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten.

    Typ-2-Diabetes

    Bei Typ-2-Diabetes ist zunächst meist noch Insulin vorhanden. Die Körperzellen reagieren jedoch zunehmend weniger empfindlich auf das Insulin. Man spricht von einer Insulinresistenz.

    Im weiteren Verlauf kann zusätzlich die Insulinproduktion abnehmen. Typ-2-Diabetes entwickelt sich häufig schleichend und kann deshalb längere Zeit unbemerkt bleiben.

    Schwangerschaftsdiabetes

    Schwangerschaftsdiabetes, medizinisch Gestationsdiabetes genannt, ist eine Störung des Glucosestoffwechsels, die während einer Schwangerschaft festgestellt wird. Dabei sind die Blutzuckerwerte erhöht.

    Nach der Schwangerschaft normalisieren sich die Blutzuckerwerte häufig wieder. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben jedoch langfristig ein erhöhtes Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

    Wie entsteht Typ-1-Diabetes?

    Bei Typ-1-Diabetes richtet sich das Immunsystem irrtümlicherweise gegen körpereigene Zellen. Betroffen sind die sogenannten Betazellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin produzieren.

    Werden zunehmend mehr dieser Zellen zerstört, kann der Körper immer weniger Insulin bilden. Schliesslich entsteht ein ausgeprägter beziehungsweise absoluter Insulinmangel. Da Insulin für die Regulation des Blutzuckers eine zentrale Rolle spielt, müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes Insulin zuführen.

    Warum diese Autoimmunreaktion bei manchen Menschen auftritt, ist noch nicht vollständig geklärt. Bekannt ist, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Daneben werden weitere mögliche Einflussfaktoren erforscht. Typ-1-Diabetes ist dabei keine Folge einer zuckerreichen Ernährung oder eines bestimmten Lebensstils.

    Wie entsteht Typ-2-Diabetes?

    Typ-2-Diabetes entwickelt sich anders. Zu Beginn produziert die Bauchspeicheldrüse meist weiterhin Insulin. Die Körperzellen reagieren jedoch zunehmend weniger empfindlich darauf. Diese verminderte Wirkung des Insulins wird als Insulinresistenz bezeichnet.

    Der Körper versucht zunächst, dies auszugleichen, indem die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produziert. Mit der Zeit kann diese zusätzliche Insulinproduktion jedoch nicht mehr ausreichen. Im weiteren Verlauf kann auch die Fähigkeit der Bauchspeicheldrüse zur Insulinproduktion abnehmen – der Blutzuckerspiegel steigt.

    Die Entstehung von Typ-2-Diabetes ist komplex und lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Neben der genetischen Veranlagung und dem Alter spielen auch beeinflussbare Faktoren eine Rolle. Dazu gehören unter anderem körperliche Aktivität, Ernährung und Übergewicht, insbesondere vermehrtes Fettgewebe im Bauchbereich.

    Gut zu wissen: Früher wurde Typ-2-Diabetes häufig als „Altersdiabetes“ bezeichnet. Diese Bezeichnung wird heute weniger verwendet. Die Erkrankung tritt zwar mit zunehmendem Alter häufiger auf, kann jedoch auch jüngere Erwachsene und Jugendliche betreffen.

    Was passiert bei Schwangerschaftsdiabetes?

    Während einer Schwangerschaft verändert sich der Stoffwechsel der werdenden Mutter. Schwangerschaftshormone können unter anderem dazu führen, dass die Wirkung von Insulin abnimmt. Normalerweise kann die Bauchspeicheldrüse dies durch eine erhöhte Insulinproduktion ausgleichen.

    Reicht diese Anpassung nicht aus, können die Blutzuckerwerte ansteigen. Wird eine entsprechende Störung des Glucosestoffwechsels erstmals während der Schwangerschaft festgestellt, spricht man von Schwangerschaftsdiabetes beziehungsweise Gestationsdiabetes.

    Nach der Geburt normalisieren sich die Blutzuckerwerte häufig wieder. Ein vorausgegangener Schwangerschaftsdiabetes ist jedoch mit einem erhöhten späteren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.

    Warum kann Diabetes lange unbemerkt bleiben?

    Vor allem Typ-2-Diabetes entwickelt sich häufig langsam. Zu Beginn verursacht ein erhöhter Blutzuckerspiegel nicht immer eindeutige Beschwerden. Dadurch kann die Erkrankung bereits längere Zeit bestehen, bevor sie erkannt wird.

    Mögliche Anzeichen können verstärkter Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit oder eine verminderte Leistungsfähigkeit sein. Auch Sehstörungen, eine erhöhte Infektanfälligkeit oder schlecht heilende Wunden können auftreten.

    Solche Beschwerden sind jedoch nicht spezifisch für Diabetes und können viele andere Ursachen haben. Ob tatsächlich ein Diabetes vorliegt, kann nur durch entsprechende medizinische Untersuchungen festgestellt werden.

    Warum ist ein dauerhaft erhöhter Blutzucker problematisch?

    Bleibt der Blutzuckerspiegel über längere Zeit erhöht, können Blutgefässe und Nerven geschädigt werden. Davon können verschiedene Bereiche des Körpers betroffen sein, beispielsweise Herz und Kreislauf, Nieren, Augen oder Nerven.

    Auch Durchblutungs- und Wundheilungsstörungen können im Zusammenhang mit Diabetes auftreten. Eine fachgerechte Behandlung und regelmässige medizinische Kontrollen sind deshalb wichtig.

    Welche Rolle spielt die Ernährung?

    Menschen mit Diabetes benötigen grundsätzlich keine spezielle „Diabetes-Diät“. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, wie sie grundsätzlich auch für die Allgemeinbevölkerung empfohlen wird.

    Bei kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln spielen sowohl die Menge als auch die Auswahl der Lebensmittel eine Rolle. Gemüse, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Früchte sowie Nüsse und Samen können Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein und liefern unter anderem Ballaststoffe.

    Stark zuckerhaltige Getränke, Süssigkeiten und stark verarbeitete Lebensmittel sollten dagegen nur in begrenzten Mengen konsumiert werden. Bei bestehendem Diabetes sollte die Ernährung individuell auf die persönliche Situation und die jeweilige Therapie abgestimmt werden.

    Welche Faktoren lassen sich bei Typ-2-Diabetes beeinflussen?

    Nicht alle Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes lassen sich verändern. Dazu gehören beispielsweise das Alter und die genetische Veranlagung. Andere Faktoren können hingegen beeinflusst werden.

    Regelmässige körperliche Aktivität kann unter anderem die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin verbessern. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, Nichtrauchen und ein gesundes Körpergewicht gehören zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil. Bei bestehendem Übergewicht kann eine Gewichtsreduktion zudem das Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes verringern.

    Diabetes frühzeitig erkennen

    Gerade weil sich Typ-2-Diabetes über längere Zeit ohne eindeutige Beschwerden entwickeln kann, kann bei erhöhtem Risiko eine Kontrolle des Blutzuckers sinnvoll sein. Ob und in welchen Abständen eine Untersuchung angezeigt ist, sollte individuell mit einer medizinischen Fachperson besprochen werden.

    Wichtig: Auffällige Beschwerden oder Blutzuckerwerte sollten medizinisch abgeklärt werden. Eine Diagnose lässt sich nicht allein anhand einzelner Symptome stellen.


    Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder individuelle Beratung. Bei Fragen zu Diabetes, auffälligen Blutzuckerwerten oder bestehenden Erkrankungen wenden Sie sich bitte an eine medizinische Fachperson.

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